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Als
ich den 1968 in Schlaifhausen (Ofr) geborenen Guido Häfner
kennen lernte, das war vor ein paar Jahren auf der Frankfurter
Buchmesse, da beschäftigte er sich hauptsächlich mit
aus Stahlplatten gefertigte Skulpturen. Witzige, humorvolle,
hintergründige Skulpturen und doch klar und archaisch in
ihrer Einfachheit, die großes Interesse erweckten und
Besucher am Stand oder beim Vorbeigehen zum Schmunzeln brachten,
aber irgendwie es nicht fassten, warum sie schmunzeln.
Seinerzeit hatte ich schon einige Male das internationale
Kunst-Projekt "HolzART" in der Cranach-Stadt Kronach
und Gemeinden des Landkreises organisiert. Ich sprach ihn
auf das Material Holz an, vor allem aber auf bis zu 1,50 m
dicke Baumstämme, die ich Bildhauerin-nen und Bildhauer
im Rahmen von "offenen Ateliers" zum Bearbeiten
auf öffentliche Plätze hieven ließ.
Ich spürte sofort, dass Guido Häfner sich schon
während unseres Gesprächs mit der Ketten-säge
an einem riesigen Baumstamm sägen sah.
Und nach der Buchmesse kam auch seine Zusage. Zwei 1,50 Meter
im Durchmesser dicke Pappelstämme stellte ich ihm zur
Verfügung. Sie waren ca. 6 m lang. "Im Paradies"
in Weißenbrunn (Ldkrs. Kronach) hatte er sein offenes
Atelier. Die Stämme waren so schwer, dass sie vor Ort
erst bearbeitet werden mussten, weil der Autokran sie roh
nicht schaffte.
Es entstanden "Adam & Eva", was sonst "Im
Paradies". Derb und prall. Nur mit der Ketten-säge
aus den Stämmen gesägt. Bei der anschließenden
Ergebnis-Ausstellung am Aufgang zur Festung Rosenberg begrüßten
sie die Besucher und lösten kontroverse Diskussionen
wegen ihrer Direktheit aus.
Später standen sie am Stand der Bayerischen Forstverwaltung
auf der Landesgartenschau 2002 in Kronach und wirkten als
Anziehungspunkt für die vor Ort arbeitenden Bildhauer.
Natürlich war Guido Häfner dabei, der hier die ersten
"Kronacher Holzköpfe" sägte.
Damals, von Oktober bis Juli, hatte sich Guido Häfner
mit dem Material Holz vertraut gemacht und hier, ebenso wie
bei seinen Stahl-Silhouetten eine eigene Bildsprache gefunden.
Wie erfolgreich er mittlerweile mit seinen Holz-Skulpturen
geworden ist, zeigt, dass im folgenden Jahr auf der Frankfurter
Buchmesse bereits Holzkopfskulpturen von im standen, er darauf
hin nach Taiwan eingeladen wurde, um dort auf der Buchmesse
und im Zoo von Taipeh unter großem Andrang von Medien
und Besuchern mit der Kettensäge zu arbeiten. Hier wurde
es notwendig, seinen Arbeitsplatz weiträumig abzusperren.
Aber er ist jederzeit in seiner offenen Art für Gespräche
bereit, ist ein Künstler, der die Arbeiten seiner Kollegen
stehen lässt, aber seinen eigenen, unverkennbaren Weg
geht.
Natürlich freut es mich, dass ich Guido Häfner zum
Material Holz brachte.
Wenn man Guido Häfner bei der Arbeit zuschaut, dann
kommt es einem so vor, als voltigiere er am Baumstamm, was
auch zeigt, wie genau er den Stamm kennt, wie er auf ihn eingeht.
Eine gewisse Erfurcht wird erkennbar. Nicht die abstrakte
Ebene arbeitet er heraus, denn ich denke, er begreift sich
selbst auch als Zuschauender und Lernender während der
Arbeit.
Wenn Sie jetzt denken, es sind Skulpturen, die sich auf den
ersten Blick erschließen, ich denke, weit gefehlt. Die
konkrete Figur ist ihm wichtiger, das ist seine Philosophie,
seine Auseinandersetzung mit Themen, die er dann, im Gegensatz
zu seinem Bruder, dem Künstler Johannes Häfner,
der seine Ideen und Träume überwiegend mit der Computer-Maus
graphisch umsetzt, holt er sie mit der Kettensäge aus
dem Stamm heraus.
Die Qualität der Arbeiten von Guido Häfner manifestiert
sich in der Realisation seiner Visionen.
Sie bleiben nicht im Kopf des Künstlers, sondern er materialisiert
sie nachvollziehbar.
Durch die handwerkliche Tätigkeit, teilweise sehr brachial,
ist Guido Häfner stets nahe an der Natur.
Und er sagt ja selber, dass er die archaische Einfachheit
bevorzugt - in ihr ist alles - Liebe, Schmerz, Witz und Melancholie
enthalten.
Und doch ist es nicht so einfach, wenn ich nur an die Portraits
von Peregrinus, George Pepusch, Königskasper, Kopfrüssler,
um nur einige aufzuzählen, denke.
Ein Künstler, den es zu entdecken lohnt.
Ingo Cesaro, März 2004
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