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Skulpturen und Digitalgrafiken
erhellen E.T.A. Hoffmanns dunkle Phantastik
Hirnbirns Stoppelkopf
grüßt vom Foyerbalkon, Olimpia mit dem Bildschirm-Schädel
mimt die Garderobiere - und weist uns den Weg zu ihren Anverwandten
nebenan: Peregrinus mit der Teufelsfratze, Pepusch mit dem
drallen Bauch, der Kopfrüssler aus dem Geschlecht der
Mickey-Mäuse, der Königskasper, der uns frech die
Zunge bleckt. Ein skurriles Völkchen - aus Holz gepellt,
aus Stahl geschmiedet, gemalt, gescannt, gezeichnet und gedruckt
- gibt sich ein Stelldichein. Maskenball im Kunstverein, Invasion
aus dem Comic-Kosmos?
Gar nicht so verkehrt:
Mit Rollenspiel und Maskerade, mit den Wirrungen um Sein und
Schein, Wahn und Wirklichkeit hat dieses Kuriositätenkabinett
einiges zu tun - und die Comic-Ästhetik hat seine Urheber
nachhaltig geprägt: Johannes Häfner (Jahrgang 1961)
und Guido Häfner (Jahrgang 1968), die kongenialen "Brothers
in Art", die mit ihren Skulpturen, (Computer-)Grafiken,
Gemälden und Künstlerbüchern das Ausstellungsjahr
des Coburger Kunstvereins eröffnen.
Die kreativen Brüder
aus Schlaifhausen verbindet eine künstlerische Wellenlänge,
doch bestücken sie ihre im Teamwork ersonnene Bilder-
und Ideenwelt auf ganz unterschiedliche Weise: Mit Kettensäge
und Schweißbrenner formt Guido Häfner mächtige
Skulpturen, in denen sich archaische Kraft mit piktogrammhafter
Stilisierung und comicgespeisten Witz verbindet. "Kunst
des Moments" schafft er mit schwerem Gerät, Nachbearbeitung
etwa mit dem Spatel versagt er sich, auch wenn ein Schnitt
daneben geht - "das Material verzeiht mir Fehler nicht"
weiß Guido Häfner - und gerade das reizt ihn daran.
Skizzenhaft oder
als miniaturisiertes Abbild tummeln sich seine teils überlebensgroßen
Gestalten variantenreich auch in den Bilder und digitalen
Grafiken Johannes Häfners, des computerbegeisterten Fabulierers.
Auf bizarr-verschmitzte Weise öffnen seine Collagen das
Tor zu visionären Welten.
Zwei dieser Universen
rücken die Häfners in den Blickpunkt ihrer Coburger
Schau: die Sphäre der Engel, in die sie sich für
ein Projekt mit dem Kronacher Literaten Ingo Cesaro emporschwangen
- und die phantastische (Alb-)Traumwelt des E.T.A. Hoffmann.
Den gespenstischen Dichtungen des Universalisten aus Königsberg
(der von 1808 bis 1813 als Kapellmeister und Kulissenmaler
in Bamberg lebte), sind sie entsprungen: Peregrinus Tyß
(aus dem Märchen "Meister Floh", die Olimpia
aus dem "Sandmann", Kopfrüssler und Hirnbirn,
Röschen und all die anderen Fabelwesen.
Aufmüpfige
Ruhestörer im Kulturbetrieb
Doch wehe, wenn
sie losgelassen: Den dunklen Abgründen Hoffmannscher
Phantastik entronnen, entfalten sie ein munteres Eigenleben,
spuken mit koboldigem Temperament umher und vergnügen
den Betrachter mit aufmüpfigem Strichmännchen-Charme
und groteskem Witz. Mit Fotos, Zeichnungen und Handschriften
beziehungsreich collagiert geistern sie als kunterbunte Ruhestörer
durchs Theater, bringen Tumult in Hoffmanns gute Stube, sprengen
museale Andacht und stören den Kulturbetriebsfrieden.
Hübsch subversiv wirkt diese Schar - und wild entschlossen,
die Domestizierung des Dämonischen nach Kräften
zu vereiteln, die Mysterien der menschlichen Seele jedoch
zugleich mit einem ironischen Augenzwinkern zu betrachten.
Verwandtschaftliche
Beziehungen verbinden die hoffmannesken Geister mit den geflügelten
Helden der zweiten ausgestellten Werkgruppe, den Engeln, die
so gar keine ätherische Aura umwölkt. Unverkennbar
die Häfnerische Handschrift, der popartige Einschlag,
der die Himmelsboten irdisch erdet und sie mittenhinein wirft
ins pralle Menschenleben, teils visuell verwoben mit Cesaros
Engelsgedichten.
Mit ihrer Coburg-Ausstellung starten die Häfner-Brüder
in ein ereignis- und reisereiches Jahr: Unter anderen stehen
Taiwan und Seoul auf dem Ausstellungskalender. Wenn sie im
kommenden Jahr einer Einladung nach Dubai folgen, müssen
allerdings der "Königskasper" und manch andere
Skulptur zu Hause bleiben - aus sittlichen Gründen. Johannes
Häfner bringt´s in bestem Fränkisch auf den
Punkt: "Zipferla geht da nicht".
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Zeitungsartikel der Besprechung
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